Im Vorfeld der Unterrichtsbesuche stehen Gespräche mit den LehrerInnen, RektorInnen und Eltern, die über unser Vorgehen im Unterricht informiert werden. Die SchülerInnen erhalten einen Fragebogen, auf dem sie in anonymisierter Form angeben können, ob und in welcher Form sie einen Unterrichtsbesuch von FLUSS e.V. wünschen, was sie bereits zum Thema wissen und was sie interessiert. Im Fragebogen wird auch nach den Einstellungen der SchülerInnen zum Thema gefragt. In mehreren Gesprächen mit den LehrerInnen verschaffen wir uns einen weiteren Überblick über die Situation und die Bedürfnisse der SchülerInnen.

Von dem Unterrichtsbesuch selbst sind die Lehrkräfte ausgeschlossen. SchülerInnen, die nicht an der Veranstaltung von FLUSS e.V. teilnehmen möchten, wird ein alternatives Angebot von dem/der LehrerIn gemacht, volljährige SchülerInnen können unsere Veranstaltung verlassen, wenn sie möchten. Allerdings haben wir noch nie erlebt, dass SchülerInnen während unseres Unterrichtsbesuchs gehen wollten, im Gegenteil, sie haben eher die Pausen durchgemacht und versucht, die Stunden zu überziehen.Wir arbeiten mit altersentsprechenden pädagogischen Konzepten.
Zu Beginn des Unterrichtsbesuchs stellen wir uns vor, führen wir Gesprächsregeln ein und bieten verschiedene Spiele und Übungen zum Einstieg in das Thema an (Grabbelsack, Ich-Ich-nicht-Spiel etc.). Anschließend teilen wir die Klassen in Kleingruppen ein. Die Lesben und Schwulen aus dem Team von FLUSS e.V. übernehmen dann die Moderation der KLeingruppen. Nach unserer Erfahrung ist eine Trennung in geschlechtshomogene Gruppen sehr sinnvoll, da sie den SchülerInnen eine Gesprächsatmosphäre eröffnet, in der sie sich trauen, Fragen zu stellen, die sie in der gemischtgeschlechtlichen Gruppe eher zurückhalten, jedoch ist dies kein muss. In den geschlechtergetrennten Gruppen werden Spiele/ Übungen, wie das Dr.-Sommer-Spiel, in denen Jugendlichen eine Perspektivübernahme für lesbische und schwule Jugendliche ermöglicht wird, oder das Fragekartenspiel als Eröffnung zu einer Fragerunde angeboten. Anschließend können Fragen gestellt werden. Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass gerade diese Fragerunden von den Jugendlichen als sehr bereichernd und informativ gewertet werden. Anschließend kommen alle wieder zusammen zum gemeinsamen Plenum und zur Feedbackrunde.
Wir geben Informationen zu Beratungsstellen, an die sich die Jugendlichen mit den Fragen, die noch nach unserem Unterrichtsbesuch aufkommen, wenden können. Alle SchülerInnen erhalten einen Feedbackbogen, auf dem sie in anonymer Form Stellung zu unserer Veranstaltung beziehen und Verbesserungsvorschläge machen können. Mit dem/der LehrerIn führen wir ein Nachbereitungsgespräch. Die Auswertung der Fragebögen der SchülerInnen und der Feedbackrunden zeigt uns das große Interesse, das die SchülerInnen unserer Veranstaltung entgegengebracht haben. Fast immer wird bemängelt, die Zeit sei viel zu kurz gewesen und sie hätten noch mehr Fragen gehabt (leider haben wir für einen einmaligen Unterrichtsbesuch meist nur 2 Schulstunden Zeit). Oft lässt sich auch im Vergleich zu den Fragebögen, die wir vor der Veranstaltung ausgeteilt und eingesammelt haben, eine deutliche Einstellungsänderung gegenüber Lesben und Schwulen in Richtung einer wertschätzenden Haltung bei den SchülerInnen feststellen. Viele SchülerInnen geben die gelernten Informationen weiter und kommen noch Monate nach der Veranstaltung mit ihren Fragen und Eindrücken auf uns zu.
Die von uns angebotenen Fortbildungen für MultiplikatorInnen folgen einem Konzept, in dem sowohl Informationen weitergegeben werden, andererseits auch durch Übungen und Spiele jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema möglich gemacht wird. Des weiteren stellen wir den MultiplikatorInnen auch pädagogische Methoden und Materialien vor, die sie selber in ihrer Arbeit mit Jugendlichen verwenden können.