Wir von FLUSS begrüßen es sehr, wenn sich die Eltern der SchülerInnen für unser Unterrichtsangebot interessieren. Viele Eltern haben selbst Fragen zum Thema und wissen oft auch nicht, wie sie auf Fragen ihrer Kinder zu lesbischen und schwulen Lebensweisen antworten können. Das Team von FLUSS bietet für die Eltern der SchülerInnen jeder Klasse, die wir besuchen, vor dem Unterrichtsbesuch einen Elternabend an. Dort erfahren die Eltern, wie wir in Unterricht vorgehen. Offene Fragen können geklärt werden. Erfahrungsgemäß nehmen besonders diejenigen Eltern, die sich auch sonst für das Geschehen an der Schule interessieren, auch unser Angebot für einen Elternabend in Anspruch.
Viele Eltern sind selbst in einer Zeit und einer gesellschaftlichen Umgebung aufgewachsen, in der lesbische und schwule Lebensweisen entweder verschwiegen oder stigmatisiert worden sind. Sie haben selbst kaum Gelegenheit gehabt, das Thema in ihrer Schulzeit oder Ausbildung anzusprechen. Dementsprechend begegnen sie dem Thema oft zunächst einmal mit Unsicherheit und auch Vorbehalten. Unsicherheit und Vorbehalte lassen sich nach unserer Erfahrung in einem gemeinsamen Gespräch gut aufgreifen. Auf deutliche Ablehnung von Eltern sind wir während unserer jahrelangen Arbeit an Schulen nur selten gestoßen. So hat sich bislang ca. 1% der Eltern vor dem Unterrichtsbesuch von FLUSS dagegen ausgesprochen. Dem gegenüber stehen ca. 25% der Eltern, die einen Unterrichtsbesuch von FLUSS explizit begrüßen. Die meisten Eltern äußern sich weder zustimmend noch ablehnend, sondern sie betrachten den Unterrichtsbesuch von FLUSS als einen von vielen Bestandteilen des schulischen Angebots. Nach unserem Unterrichtsbesuch haben wir bislang von einem Vater und einer Mutter eine negative Rückmeldung erhalten (das entspricht 0,1% der Eltern der SchülerInnen, die wir unterrichtet haben). Zahlreiche Eltern haben sich allerdings auch nach dem Unterrichtsbesuch an uns oder den Lehrer/ die Lehrerin der Klasse gewandt, um sich für den Unterrichtsbesuch von FLUSS zu bedanken. Interessant für uns ist, dass die positiven Reaktionen der Eltern uns manchmal auch noch Jahre nach einem Unterrichtsbesuch erreichen, wenn wir nämlich in die Klasse einer Schülerin/ eines Schülers gehen, dessen ältere Geschwister bereits an einem Unterrichtsbesuch von FLUSS teilgenommen haben.
Lehrkräfte, die uns eingeladen haben und vorher noch nicht mit ihrer KollegInnen über den Unterrichtsbesuch von FLUSS gesprochen haben, sind sich oft unsicher, wie das Kollegium den Unterrichtsbesuch von FLUSS aufnimmt. Auch für viele Lehrkräfte gilt, dass sie selbst in einer Zeit und einer gesellschaftlichen Umgebung aufgewachsen sind, in der lesbische und schwule Lebensweisen entweder verschwiegen oder stigmatisiert worden sind. Hinzu kommt, dass sie auch in ihrer pädagogischen Ausbildung meist nichts über das Thema lernen. Demgegenüber bekommen alle Lehrkräfte in der Schulpraxis mit, dass SchülerInnen zahlreiche Fragen zum Thema haben und sie werden auch zu ZeugInnen homophober Sprüche oder anderer Gewalt auf dem Schulhof, ohne sich in der Lage zu sehen, eingreifen zu können.
Viele Lehrkräfte treten dem Thema „lesbische und schwule Lebensweisen" mit einer gewissen Unsicherheit gegenüber und haben Angst, etwas falsch zu machen, wenn sie das Thema in der Schule aufgreifen. Bei einzelnen Lehrkräften äußert sich diese Unsicherheit auch in einer ablehnenden Haltung KollegInnen gegenüber, die das Thema ansprechen.
Mit den Lehrkräften, die uns einladen möchten, sprechen wir im Vorfeld auch über das Klima an der Schule und darüber, wie das LehrerInnenkollegium am besten über unseren Unterrichtsbesuch informiert werden kann. Um auf alle Fragen und auch auf eventuelle Vorbehalte innerhalb des LehrerInnenkollegiums eingehen zu können und um unser pädagogisches Vorgehen im Unterricht vorzustellen, bieten wir von FLUSS Fortbildungen für LehrerInnenkollegien/ auf LehrerInnenkonferenzen an. Hierbei können die Fragen der Lehrkräfte aufgegriffen werden. Zu jedem Unterrichtsbesuch von FLUSS gehört auch unser Angebot eines Gesprächs mit der Rektorin/ dem Rektor der jeweiligen Schule und mit allen interessierten Lehrkräften.
Vor dem Unterrichtsbesuch verfügen die SchülerInnen in der Regel noch über wenige korrekte Informationen zu lesbischen und schwulen Lebensweisen. Vorurteile und Klischeevorstellungen über Schwule und Lesben sind hingegen bei Jugendlichen weit verbreitet. Bei den meisten SchülerInnen besteht ein Interesse, das Thema im Unterricht aufzugreifen. Die SchülerInnen wünschen sich, dass Aufklärungsarbeit zum Thema
Vor dem Unterrichtsbesuch haben die SchülerInnen auf den Fragebögen die erste Möglichkeit, Fragen an das FLUSS- Team zu stellen. So können wir schon in der Vorbereitung des Schulbesuchs auf einige Fragen/ Wissenswünsche Bezug nehmen. In der Unterrichtseinheit selbst können Fragen dann auch mündlich gestellt werden. Die Fragen der SchülerInnen drehen sich häufig um die Themen Coming-out-Prozess, soziales Umfeld von Lesben und Schwulen, Diskriminierungserfahrungen und Identitätsentwicklung.
Die Jugendlichen haben während der Diskussionsrunde mit lesbischen und schwulen PädagogInnen die Möglichkeit stereotype Vorstellungen an der Realität zu messen und damit auch Vorurteile zu revidieren.
Die Rückmeldungen der SchülerInnen zu dem Unterrichtsbesuch sind sowohl kurz nach der Veranstaltung als auch noch mehrere Monate danach überwiegend positiv. Viele SchülerInnen nützen auch das Bildungsangebot von FLUSS, um auch untereinander später noch über die Themen des Unterrichtsbesuchs zu sprechen. Insgesamt bewerten die SchülerInnen Unterrichtsbesuche lesbischer und schwuler Schulprojekte als sinnvoll, weil dadurch Gespräche über das Thema möglich gemacht werden.
Besonders SchülerInnen mit wenig Wissen über Homosexualität scheinen von der Arbeit lesbisch-schwuler Aufkläungsprojekte zu profitieren. Wenn SchülerInnen lernen, sich in die Lebenssituation von Lesben und Schwulen einzufühlen, verbessern sie ihre Empathiefähigkeit und lernen auch, homophobe Haltungen durch Wissen zu ersetzen. Durch das Einbringen des Themas in den Unterricht und damit auch in den sozialen Klassenverbund können SchülerInnen für eine liberalere Haltung auch soziale Unterstützung erfahren.
Die Thematisierung von Geschlechterrollen und lesbischen, schwulen und transgender Lebensweisen nützt allen SchülerInnen, weil sie ihr Bewusstsein, ihre Empathie und ihre Akzeptanz für Menschen fördert, die sonst als „anders" und „fremd" konstruiert werden.