Die Situation der SchülerInnen

In jeder Schulklasse sitzen durchschnittlich 1-2 Jugendliche, die sich homosexuell entwickeln werden. Eine weitaus größere Zahl von Jugendlichen macht bisexuelle Erfahrungen. Dies ist nur wenigen PädagogInnen bewusst. Aus Unkenntnis und Scheu wird es vermieden, die Erfahrungen der Jugendlichen anzusprechen. Von heterosexuellen Jugendlichen und solchen Mädchen und Jungen, die sich hinsichtlich ihrer soziosexuellen Orientierung (noch) nicht definieren möchten, erwartet die Gesellschaft, dass sie sich in die vorgegebenen Rollen als Frau bzw. Mann einfinden. Die vorgegebenen Rollen verfestigen zum einen die bestehende Ungleichbehandlung von Frauen gegenüber Männern, zum anderen ist es auch für heterosexuelle Heranwachsende alles andere als einfach, sich mit Themen wie Liebe, PartnerInnenschaft, Sexualität, sexueller Orientierung und Identität auseinander zu setzen. Unsicherheiten werden überspielt oder mit Halbwissen und Vorurteilen gefüllt. Vorurteile gegen Menschen, die als „anders-" (-rum) gelten, werden gebildet, um sich von gesellschaftlich stigmatisierten Gruppen abzugrenzen. In extremer Form äußert sich das Abgrenzungsbedürfnis in Form von Gewalt, die wiederum durch Vorurteile gerechtfertigt wird. Schulische Aufklärungsarbeit leistet hier einen ganz konkreten Beitrag zur Gewaltprävention.

Der Weg lesbischer und schwuler Jugendlicher ist mit besonderen Stolpersteinen gepflastert. Lesbisch bzw. schwul zu sein wird in unserer Gesellschaft längst noch nicht als gleichwertige und gleichberechtigte Lebensform anerkannt. Der Weg zum Coming-out erweist sich als nach wie vor schwierig. Lesbische und schwule Jugendliche, die ihre Liebe offen leben, müssen sich mit der Homophobie vieler Heterosexueller und mit Diskriminierungen und Gewalt auseinander setzen.